Flächen frei für Ackerbohnen, Körnererbsen und Co – Praxistipps am Leguminosenfeldtag

Rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten am 23. Juni der Einladung der Norddeutschen Pflanzenzucht zum Leguminosenfeldtag – zum ersten Mal in einem Körnererbsen-Praxisschlag mit Sortendemo in Hohenlieth-Strijord bei Holtsee (Schleswig-Holstein).


Volles Feld beim NPZ-Leguminosenfeldtag 2026!

Positive Flächenentwicklungen bei Leguminosen…

Das große Interesse spiegelt die aktuelle Entwicklung wider: Körnerleguminosen gewinnen in Deutschland weiter an Bedeutung. 2026 werden nach Angaben des statistischen Bundesamtes bundesweit rund 147.400 ha Körnererbsen (+6,6 %) und etwa 70.300 ha Ackerbohnen (+5,9 %) angebaut. Getrieben wird diese Entwicklung durch den Ausbau der aufnehmenden Hand, steigenden Kostendruck in anderen Kulturen und nicht zuletzt durch politische Förderinstrumente wie Eco-Schemes und die Eiweißpflanzenstrategie des Bundes, die wirtschaftliche Risiken minimieren und die Integration der Kulturen in moderne Fruchtfolgen erleichtern.

… auch im hohen Norden

Gerade Schleswig-Holstein entwickelt sich zum Ackerbohnen-Schwerpunkt: Mit rund 19.500 ha (+21,1 %) nimmt das Bundesland eine Spitzenposition ein. Gute Wasserversorgung und das maritime Klima bieten günstige Bedingungen, sodass die Kultur zunehmend fester Bestandteil vieler Fruchtfolgen ist. Ebenso gewinnen Körnererbsen hierzulande an Bedeutung, wenngleich im kleineren Maßstab. So verzeichnet die Kultur ein Plus von 18,8 % und kommt auf etwa 1.900 ha. Der Trend ist klar – nun kommt es auf die richtige Umsetzung an.

Züchtung ist wichtig

Ein zentraler Baustein dafür ist die züchterische Weiterentwicklung der Kulturen, denn sie liefert die Grundlage für leistungsfähige und anpassungsfähige Bestände. Dazu gab beim Feldtag Züchter Dr. Gregor Welna einen Einblick in die Leguminosenzüchtung bei der NPZ und zeigte auf, welche Schlüsse aus dem benachbarten Ackerbohnenfeld gezogen werden können. Auf diesem werden seit etwa einem Jahrzehnt Jahr für Jahr Ackerbohnen angebaut, um auf dem kontaminierten Boden zu testen, wie gut neue Sorten mit Krankheiten im Wurzel- und Stängelbereich zurechtkommen.

Darüber hinaus verwies Dr. Welna auf die zunehmende Bedeutung qualitativer Züchtungsziele sowie auf die Notwendigkeit, Körnerleguminosen an sich stark verändernde Umweltbedingungen anzupassen.

Sortendemo zeigt züchterischen Fortschritt

Wie sich diese züchterischen Fortschritte konkret in der Praxis widerspiegeln, wurde anschließend in der Sortendemonstration deutlich. Die neuen Sorten weisen deutliche Verbesserungen gegenüber älteren Sorten auf – insbesondere in Bezug auf Kornertrag, Frühreife, Gesundheit und Standfestigkeit. Bei einem Rundgang stellten Dr. Welna und sein Kollege Nils Christiansen (Produktmanager Leguminosen) Sommerackerbohnen-Sorten wie HAMMER und IRON und die Körnererbse ICONIC vor: Die vicin- und convicinarme Sorte HAMMER bietet Vorteile durch ihre verhältnismäßig frühere Blüte und Reife und kommt auf ein sehr hohes Ertragspotenzial sowohl in Korn- als auch Rohproteinertrag.

IRON zeichnet sich ebenfalls durch einen hohen Protein- und einen niedrigen Vicin-/Convicingehalt aus. Sie verfügt über gute Widerstandskraft gegen Botrytis und Rost und verspricht eine verlustarme Ernte.

Körnererbsen passen nach Schleswig-Holstein

Die Körnererbse wurde in diesem Jahr erstmalig angebaut, weil wir als NPZ überzeugt sind, dass die Kultur gut nach Schleswig-Holstein und auch in das östliche Hügelland passt. Davon konnten sich die Besucher beim Feldtag im Praxisschlag überzeugen.
Das Highlight: Die Sommerkörnererbse ICONIC wurde vom Bundessortenamt (BSA) mit der höchsten Einstufung von Korn- und Proteinertrag bedacht; sie zeichnet sich durch eine hohe Standfestigkeit und eine bessere Beerntbarkeit aufgrund eines höheren Bestandes zur Reife aus. 

Auch die beliebte ASTRONAUTE liefert in langjährigen Landessortenversuchen hohe Erträge und lässt sich durch ihre gute Standfestigkeit gut dreschen.

Forschung liefert konkrete Praxistipps

Ergänzt wurden diese Eindrücke aus Züchtung und Sortenentwicklung durch aktuelle Untersuchungsergebnisse aus der Forschung, die konkrete Hinweise für den Anbau lieferten: In drei Fachvorträgen wurden neueste Erkenntnisse aus Versuchswesen und Praxis vorgestellt:

Fruchtfolgegestaltung (PD Dr. Insa Kühling, CAU Kiel)
Auf Basis von Fruchtfolgesystemversuchen am Versuchsgut Hohenschulen zeigte Dr. Kühling, wie sich Ackerbohnen und Körnererbsen optimal in moderne Systeme integrieren lassen – mit dem klaren Ziel, Nitratauswaschungsverluste zu reduzieren. Besonders günstig erwies sich die Kombination Ackerbohne/ Körnererbse vor Winterraps (mit Anbaupause bei Raps von drei Jahren). Trotz der organisatorischen Herausforderungen im Ablauf gilt diese Stellung als das Nonplusultra, da sie ökologische Vorteile mit stabilen ökonomischen Leistungen verbindet.

Ein weiterer zentraler Punkt: Fruchtfolgen müssen ganzheitlich gedacht werden. Nicht nur die Vorfrucht, sondern auch Vor-Vorfruchteffekte beeinflussen Ertrag und Umweltwirkung. Längere Rotationen helfen, Risiken – insbesondere bei der Integration ertragsschwächerer Kulturen – besser zu streuen. Insgesamt zeigen die Ergebnisse: Keine signifikanten Ertragseinbußen bei gleichzeitig reduzierten N-Verlagerungen.
Das klare Fazit der Referentin: mehr Mut zu neuen Fruchtfolgekombinationen und ein bewusster Abschied von starren, traditionellen Systemen.

Aussaat und Bestandesführung (Prof. Dr. Tanja Schäfer und Eric Pehle, FH Südwestfalen, Soest)
Vorgestellt wurden Versuchsergebnisse zur Aussaat der Ackerbohne mit unterschiedlichen Drilltechniken (Drillsaat, Strip-Till, Claydon), Saatstärken (30, 40, 50 Körner/m²) sowie Varianten der Unterfußdüngung.

Die Ergebnisse zeigen:

  • Eine tiefe Ablage ist sinnvoll, da die Ackerbohne einen hohen Keimwasserbedarf hat.
  • Die Kultur reagiert positiv auf wassersparendes Arbeiten (z.B. durch frühe Grundbodenbearbeitung nahe am Aussaattermin).
  • Ackerbohnen benötigen saubere Bestände und bevorzugen geringfügig gelockerte Böden.
  • Die Ackerbohne besitzt ein sehr hohes Kompensationsvermögen.
  • Lückige Bestände reagieren empfindlicher auf extreme Witterungsbedingungen; die Saatstärke hat einen eher indirekten Einfluss auf den Ertrag.
  • Mikronährstoffdünger ist wichtig und sollte vor allem auf Mangelstandorten eingesetzt werden.
  • Zwischen Tausendkornmasse (TKM) und Ertrag besteht eine hohe Korrelation.

Neue Drilltechnik (Sönke Winzer, Väderstad GmbH)
Vorgestellt wurde die Einzelkorntechnik „Proceed“, die im Frühjahr testweise in Hohenlieth in Ackerbohne und Körnererbse eingesetzt wurde. Väderstad verspricht mit der neuen Technik Vorteile bei Tausendkornmasse, Proteingehalt und Pflanzenentwicklung.

Fazit: Leguminosen überzeugen pflanzenbaulich und ökonomisch

Neben der wichtigen Versorgung mit heimischen Proteinträgern sprechen vor allem pflanzenbauliche Vorteile für Körnerleguminosen: Sie sorgen für positive Vorfruchteffekte und senken den Bedarf mineralischer Düngung durch symbiontische N-Fixierung. Gerade vor dem Hintergrund steigender Düngerkosten tragen sie damit maßgeblich zur Ressourceneffizienz bei.

Das Fazit aus diesem Leguminosenfeldtag mündet dementsprechend in einen Appell an die Praxis: Trauen Sie sich, Leguminosen stärker in Ihre Fruchtfolgen zu integrieren!

Lernen Sie unser Sortenportfolio kennen: Hier geht es zu den Top-Sorten

v.l.n.r.: Sönke Winzer, Väderstad GmbH, Prof. Dr. Tanja Schäfer und Eric Pehle, FH Südwestfalen,
Nils Christiansen, NPZ, PD Dr. Insa Kühling, CAU Kiel.